Resilienz
Resilienz
Angesichts der weltpolitischen Lage und aktueller Ereignisse stellt sich die Frage, wie abhängig bin ich von dem Angebot einzelner Konzerne im Bereich Kommunikation oder moderner IT? Wie resilient bin ich gegen Abschaltungen oder Einschränkungen bei bestimmten Diensten, Software bzw. Hardware?
Es ist ein Thema, welches gerne verdrängt wird oder als solches gar nicht wahrgenommen wird. Politische Vorgänge finden in fernen Ländern statt, sind also „weit weg“. Solange alles funktioniert ist es auch kein Problem, mit dem man sich gerne beschäftigen möchte. Das geht gelegentlich so weit, dass Äußerungen zu dieser Thematik als paranoid hingestellt werden. Ist man gewillt aktiv zu werden um resilienter zu werden, sind Investitionen in Hard- und Software notwendig die jetzt anfallen, aber einem „fiktiven“, noch nicht eingetretenen Ereignis dienen. Die Frage ist, ob es im Ereignisfall überhaupt noch möglich ist, mit vertretbarem Aufwand zu reagieren.
Wie kann ich meine Resilienz erhöhen? Derzeit bestimmen ein paar wenige Anbieter wie Google und Apple den Smartphone-Markt mit ihrer Software. Auch wenn man das gekaufte Smartphone als sein Eigentum betrachtet, hat z. B. Google weitreichende Möglichkeiten durch tief verankerte Softwarebestandteile zu bestimmen was auf dem Smartphone läuft oder nicht. Google kann also das teuer bezahlte Smartphone ohne große Probleme unbrauchbar machen oder bestimmte Funktionen abschalten. Viele Daten, ob Dokumente oder Fotos werden in der Regel auf Servern außerhalb europäischen Rechts gespeichert.
Ein paar wenige kleinere Anbieter haben sich dieser Problematik angenommen. Ein Beispiel ist Murena mit /e/OS. Das ist ein Android ohne jegliche Verbindung zu Google. Die angebotenen Dienste laufen auf europäischen Servern. Apps stammen aus Quellen abseits von Google. Zumindest löst man sich damit aus einer Abhängigkeit und erhöht den Datenschutz. Da aber auch Murena seine Dienste abschalten kann, begibt man sich natürlich in eine andere Abhängigkeit. Resilienz bedeutet dann auch praktischerweise Cloudspeicher zu nutzen, aber dennoch die eigenen Daten separat und lokal zu sichern.
Im PC-Bereich existieren ähnliche Abhängigkeiten von ein paar wenigen Anbietern. Wie diese gerne ihre Nutzer bevormunden ist bekannt. Kappt Microsoft morgen ihre Verbindung zur Cloud, sperrt ihren E-Mail-Account, was dann? Letzteres wurde schon oft praktiziert …………
Ein PC lässt sich jedoch vergleichsweise einfach mit einem alternativen Betriebssystem und anderer Software ausstatten. Leider nur sehr zögerlich wird das nun in Europa umgesetzt. Quelloffene Software kommt zum Einsatz, auch wenn es ein steiniger Weg ist sich aus jahrzehntelang gewachsenen Abhängigkeiten zu lösen. Zudem braucht unsere Gesellschaft dazu klare Signale aus der Politik.
Was aber, wenn das Internet nicht mehr funktioniert oder mein Mobilfunkbetreiber den Betrieb eingestellt hat? Wie resilient bin ich gegen dieses Szenario? Viele Haushalte nutzen ihren Internetanschluss gleichzeitig für Fernsehen oder Radio. Ich behaupte, dass der Internetanschluss neben dem Mobilfunk die Hauptquelle für Informationen jeglicher Art ist. Klassische Antennen oder Satellitenempfangsanlagen sind immer weniger zu finden. Es wird sogar über die Abschaltung des Antennenfernsehens (DVB-T) nachgedacht. Radio wird zunehmend von DAB+ bestimmt, mit allen Vor- und Nachteilen der digitalen Ausstrahlung. Ungeachtet dessen wird es empfohlen ein klassisches Radio bereitzuhalten. Leider wurden in Europa viele reichweitenstarke Sender für Frequenzen unterhalb 30 MHz abgebaut. In anderen Teilen der Welt geht man andere Wege und setzt u. a. auf DRM (digitale Ausstrahlung auf Kurzwelle).
Wenn kein Telefon mehr funktioniert, wie kommuniziere ich dann weiter? Es gibt vielversprechende Initiativen bei Meshtastic bzw. Meshcore. Das ist Datenübertragung auf freien Frequenzen mit sehr geringer Sendeleistung bei geringen Datenraten. Autarke Komplettgeräte sind legal erhältlich und gar nicht teuer. Je nach Region existieren bereits gut ausgebaute Netze.
Geht es um Sprachübertragung ist eine bessere Resilienz bereits durch das gleichzeitige Vorhandensein von Festnetzanschluss und Mobilfunk erreicht. Sollten beide Übertragungswege ausfallen wird es schwierig. Das Märchen vom Funkgerät mit dem ich im betreffenden Fall andere Stellen erreichen kann, möchte ich nicht weitererzählen. Legale Funkgeräte (PMR, Freenet) mit allgemeiner Zulassung haben sehr begrenzte Reichweiten. CB-Funk kann eine Alternative sein, setzt jedoch eine gewisse Vorbereitung (z. B. Außenantenne für entsprechende Reichweite) und Beschäftigung mit der Materie voraus. Die grundlegende Frage ist, wen wollen Sie überhaupt erreichen und kann Sie die Gegenstation technisch überhaupt hören und auch antworten? Eine gewisse Sonderstellung haben hier zweifellos lizenzierte Funkamateure. Aber auch dort ist trotz bekannter Frequenzen nicht gewährleistet, dass Ihr Ruf gehört wird.
Ein kleines Fazit aus meiner Sicht: Eine höhere Resilienz im anfangs genannten Bereich lässt sich meist einfach dadurch erreichen, indem man sich unabhängig von Monopolen macht oder sich parallel zu den bisher genutzten Wegen neue Pfade schafft, die man bei Bedarf sofort beschreiten kann. Solche Überlegungen sind weder paranoid noch Panikmache.
DG4DSL, Oktober 2026