Interessengemeinschaft Pichofunk
DP5V/DB0PIB, Amateurfunk aus der Oberlausitz rund um die Welt

WRTC 2018

Funkkontakte vom Picho zur Weltmeisterschaft

Alle 4 Jahre gibt es eine Mannschafts - Weltmeisterschaft der besten Amateurfunker aus nehezu allen Teilen der Welt auf den klassischen 5 Kurzwellenbändern. 2018 wurde dieser Wettkampf vom WRTC 2018 e.V. in Deutschland organisiert und gleichzeitig alle lizensierten Funker in D aufgefordert, die 63 Stationen der Wettkämpfer möglichst auf allen Bändern in beiden Betriebsarten (CW = Telegrafie und SSB = Fonie) in pile-ups (viele Stationen antworten gleichzeitig auf einen Ruf der Wettkampfstation) zu verwickeln. Echte Weltmeister ordnen das Durcheinander der vielen Rufzeichen und funken mit allen Anrufern nacheinander. Gemeinsam ist man dabei möglichst so schnell, dass keiner der Anrufer ungeduldig wird und sich abwendet. Schon beim Zuhören dieses Chaosmanagements spürt man die Klasse und Ideenvielfalt der Bewerber um den Weltmeistertitel.
Warum ist das für einen fairen Wettkampf wichtig?
Weil ein guter Jäger nur dann seine Fähigkeiten beweisen kann, wenn ausreichend Wild im Wald ist.
Nichts ist in so einem Funkwettkampf schlimmer, als zu geringe Beteiligung. 

DL5DSB hat die Gelegenheit genutzt, gleichzeitig auf dem Picho die Antenne zu testen, die für die 63 Mannschaften (je 2 Funker), im Raum Wittenberg - Jüterbog - Jessen aufgebaut, zur Verfügung gestellt wurde.
Wenn sie den Anwärtern auf den Weltmeistertitel zugemutet wird, kann sie nicht so schlecht sein!?

Im Ergebnis wurden in ca. 16 von 24 möglichen Stunden insgesamt 205 QSOs (Funkkontakte) mit den 63 Stationen erreicht:



DL8DYL aus Dresden und ZL4YL aus Neuseeland sind weibliche Wettkämpfer !!
Die 2-er Teams sind z.T. international zusammengesetzt. Typisch für den Gedanken der "Völkerverständigung", der im Amateurfunk gelebt wird, gerade auch jetzt, wo es im Weltalltag kein Topthema mehr ist.

Man kann sehr schnell erkennen, dass die Wettkämpfer viel mehr mit klassischen Morsesignalen, als mit normalem Sprechfunk (in Englisch mit internationalem Buchstabieralphabet) gearbeitet haben.
Welchen Vorteil bringt das in einem Wettkampf, der nur mit vielen Verbindungen in möglichst viele Länder dieser Welt gewonnen wird?
Hauptsächlich durch die geringere Bandbreite der Telegrafie (typisch 500Hz im Contest) ist die Verständlichkeit eines leisen Signals deutlich besser als bei einem 1,8 kHz breiten Srechfunksignal. Allerdings braucht man für die Telegrafie auch etwas länger für eine bestätigte Verbindung beider QSO-Partner.
Die Profis der Funkamateure dieser Welt, die hier in Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu Gast waren, schaffen in einer Stunde 300 QSOs in Fonie. Das sind 5 Verbindungen pro Minute mit jeweils dieser Abfolge pro bestätigter Verbindung:

1. Wettkämpfer (Jäger): Allgemeiner Anruf, gerichtet an alle Funker dieser Welt, die gerade diese Frequenz hören
2. Teilnehmer (Hasen): Antwort eines oder oft auch vieler Funker weltweit mit seinem/ihrem Rufzeichen gleichzeitig
3. Wettkämpfer: Aufruf eines Rufzeichens daraus und senden seiner Kontrollnummer
4. Teilnehmer: Bestätigt den Empfang und sendet seine Kontrollnummer
5. Wettkämpfer bestätigt den Empfang und damit die komplette Verbindung

In Telegrafie schaffen die Spitzenfunker gut 200 QSOs je Stunde.
Beides erfordert ein Höchstmaß an Konzentration über viele Stunden und dabei gibt es kaum Schlaf, da durch die weltweite Zeitverschiebung quasi immer ausreichend Hasen da sind.
Dabei darf kein Fehler passieren, denn die Logs (am Laptop von Hand erstelltes Protokoll mit allen Verbindungen des Wettkampfes) werden zum Schluß vom Veranstalter mit Hilfe eines Computers überprüft. Der ist nicht patriotisch und zeigt jeden Fehler gnadenlos an. Dazu werden sogar noch die Logs der Hasen mit genutzt.

DL5DSB hat für die beiden langwelligen Amateurfunk-Bänder 80m und 40m dieses Wettkampfes einfache Drahtdipole verwendet. Völlig ausreichend zum Überbrücken der max. 145km bis zur entferntesten Station im Wettkampfgebiet:
Für die 3 oberen Bänder, mit 20m, 15m und 10m Wellenlänge, wurde ein Spiderbeam aus Spremberg getestet.
Hier ist die Reichweite der Bodenwelle mit 150km schon im kritischen Bereich. Zur Reichweitenerhöhung benötigt man mehr Gewinn durch Richtwirkung. Der Spiderbeam ist eine 3 Element-Yagi mit etwa 3 bis 5-fach kräftigerem Signal in Geradeausrichtung gegenüber einem Dipol . Die erreichten Verbindungen auf den oberen 3 Bändern (50% der Gesamtanzahl) bestätigen die gute Tauglichkeit dieser Yagi in Spinnenform.



Das Hobby Amateurfunk ist, wie hier am Beispiel der Weltmeisterschaft in Deutschland gezeigt, ein interessanter Mix aus elektromagnetischen Grundlagen (Funktechnik und Ausbreitung) und funkerischem Geschick (Betriebstechnik). Verglichen mit anderen technischen Hobbys ist der finanzielle Aufwand in einer Interessengemeinschaft oder einem Verein (z.B. DARC oder VFDB in D) geringer, da die Nutzung gemeinsamer Ausrüstung möglich ist.

Die nächste dieser WRTC-Weltmeisterschaften wird 2022 in Italien stattfinden.
Dann werden ähnlich viele Verbindungen zu den Wettkämpfern nur mit deutlich verändertem technischen Aufwand möglich werden, da die Entfernung über 800km betragen wird. Auch hier kann sich die Gemeinschaft viel einfacher darauf einstellen, als es ein einzelner lizensierter Funker kann.

Frank
DL5DSB