Interessengemeinschaft Pichofunk
DP5V/DB0PIB, Amateurfunk aus der Oberlausitz rund um die Welt

Tipps und Infos zu DMR

0. Allgemeines zur DMR
Auf dieser Seite möchten wir den interessierten OM, welche sich für die Nutzung der digitalen Modi, hier speziell DMR ("Digital Mobile Radio"), unseres 70cm-Relais DB0PIB interessieren, Hinweise, Empfehlungen und Anleitungen zur Verfügung stellen, die einen leichten Einstieg in diese noch recht neue Materie ermöglichen sollen.
Grundsätzlich ist DMR eine genormte und vor allen Dingen geräteunabhängige Betriebsart, entstammt allerdings aus dem kommerziellen Betriebsfunk. Der Vorteil bei DMR ist, dass es sich um einen Standard handelt, der vom European Telecommunications Standards Institute ETSI veröffentlicht und mit der Industrie zusammen entwickelt wurde sowie allgemein zugänglich ist. Es handelt sich also um einen offenen und keinen Firmenstandard. Er ist in fünf Dokumenten definiert (TS 102 361-1 bis -4 und TR 102 398) und wurde bereits 2005 vorgestellt. Im Gegensatz dazu sind die anderen Modi C4FM (nur YAESU-Geräte) und D-STAR (nur ICOM-Geräte) nur im Amateurfunk anzutreffen. Alle Modi haben leider eine Gemeinsamkeit - sie sind alle nicht kompatibel miteinander. Ich kann also immer nur DMR zu DMR, C4FM zu C4FM und D-STAR zu D-STAR. Eine Umsetzung am Repeater von einer in eine andere Betriebsart während eines QSOs ist also technisch nicht möglich, es gibt allerdings Möglichkeiten innerhalb der Netzwerkstrukturen, Übergänge zu nutzen und somit schon DMR und z.B. C4FM zusammenzubringen. Darauf gehe ich aber später genauer ein. Der Repeater selbst erkennt aber die zu ihm gesendete Betriebsart und antwortet auch dementsprechend zurück in dieser Betriebsart. Damit gibt es auch keinen Öffnungsmechanismus wie einen 1750Hz Rufton oder ähnliches. Er ist immer standby auf der Eingabe und erwartet ein digitales Signal eines der aktivierten Modi - bei DB0PIB ist das eben DMR oder C4FM. Deswegen heisst das auch "Multi-Mode-Repeater". Natürlich müssen sich alle den Repeater selbst "teilen". Läuft also gerade C4FM, müssen die DMR-OM warten und umgekehrt.

1. WICHTIG: Bevor es losgehen kann - die eigene DMR-ID
DMR kommt ja aus dem Bereich des Betriebsfunks. Natürlich gibt es dort keine Rufzeichen wie bei uns im Amateurfunk - denn dort wird einfach mit einer ID in Form einer mehrstelligen numerischen Kennung gearbeitet. Auch bei DMR im Amateurfunk ist das leider so erforderlich - die BNetzA akzeptiert das auch, denn die Listen der Zuordnung DMR-ID <-> Rufzeichen müssen öffentlich zugänglich sein, was sie auch sind. Gleichzeitig kann man diese Listen, auch Kontaktliste genannt, in die meisten DMR-Geräte per Software importieren und sieht dann auf dem Gerät während eines Anrufs oder QSOs nicht nur die Nummer, sondern auch das dazugehörige Rufzeichen des OMs, oft auch um Name und QTH ergänzt.
Diese Liste ("Contacts" oder auch "Contact-List") sollte man in regelmäßigen Abständen im Gerät aktualisieren, denn es kommen ja immer neue OM hinzu, die dann möglicherweise Euer Gerät noch gar nicht kennen kann, weil Eure Kontaktliste älteren Datums ist. In diesem Fall würde nur die Nummer angezeigt - das wäre dann der Zeitpunkt, seine Kontaktliste im Gerät mal wieder aufzufrischen.

Die weltweit eindeutige, numerische DMR-ID kann man hier beantragen (bitte den Punkt "Ein persönliches Rufzeichen registrieren" auswählen) :

https://register.ham-digital.org/

Das derzeit angewendete Registrierungsverfahren erfordert auch, eine Kopie der Lizenzurkunde in Form einer .jpg-Datei mit hochzuladen, haltet sowas also auch bereit. Nähere Infos findet ihr dort auch auf der Registrierungswebsite. Die zugeteile ID erhaltet ihr meistens sofort per Email, die eigentliche Freischaltung wird so in 1..3 Tagen nach Antrag umgesetzt. Man kann aber nach Erteilung der ID sofort loslegen. Diese ID ist dann im Gerät zu hinterlegen bzw. zu programmieren, dort oft als "Radio-ID" bezeichnet.
Wer schon eine DMR-ID hat, kann das natürlich überspringen, ansonsten ist das immer der Schritt 1 bevor es mit DMR losgehen kann.

2. Technisches zu DMR...
Die Übertragung beim Digital Mobile Radio erfolgt im Zeitmultiplex-Verfahren mit 4-FSK-Modulation. Im Prinzip ähnlich der 9k6-Packetradio-Anwendung aus den früheren Jahren - deswegen kann man praktisch 9k6-taugliche Transeiver für DMR-Repeater umbauen und verwenden, wovon auch rege Gebrauch gemacht wird. Man belegt eine Frequenz von 12,5 kHz, wobei aber zwei Zeitschlitze (Slot1 und Slot2) übertragen werden. In jedem dieser Zeitschlitze lässt sich ein Sprachkanal übertragen. Gegenüber analoger Technik wird also eine Halbierung des in Anspruch genommenen Frequenzspektrums erzielt. Man belegt zwar immer 12,5 kHz Bandbreite, aber es sind zwei unabhängige Übertragungen plus Zusatzdaten möglich.Es ist sowohl eine direkte Verbindung zwischen zwei Funkgeräten möglich als auch eine Verbindung über einen Repeater wie DB0PIB. Die übertragenen Kurznachrichten - eine Art SMS - können maximal 1.130 Byte lang sein. Es sind verschiedene Rufarten möglich, also auch Broadcast-Rufe und Gruppen (sog. "Talk-" oder deutsch "Sprechgruppen"). Organisiert wird das ganze auf der HF-Seite vom einem MMDVM ("Multi-Mode-Digital-Voice-Modem"), dessen Schaltungen und Platinen als Open Source Hardware zur Verfügung stehen. Auch die Firmware, basierend auf einem ATMEL, ist als Sourcecode frei verfügbar - ganz im Sinne des Amateurfunks. Anschließend wird das ganze von einem kleinen Minicomputer - bei uns ein Raspberry PI mit einer Hostsoftware gesteuert und ermöglicht verschiedene digitale Modi, u.a. DMR oder C4FM. Bei uns steuert das MMDVM dann einen YAESU-Repeater DR-1XE plus Duplexer und Antenne. Einige andere Amateurfunk-DMR-Repeater sind allerdings auch mit kommerziellen Lösungen bestückt wie z.B. die DMR-Repeater von Hytera, können aber nur DMR und evtl. noch analoges FM (gedacht als Rückfalloption im kommerziellen Umfeld).
Richtig interessant wird allerdings die Vernetzungsmöglichkeit mit anderen DMR-Repeatern und damit eine erhebliche Ausweitung der erreichbaren OMs, meist unter Zuhilfenahme des Internets oder auch des amateurfunkspezifischen HAMNETs - also dem WLAN der Amateurfunker. Wir bei DB0PIB nutzen allerdings nur die Anbindung per Internet, ein HAMNET-Zugang steht uns nicht zur Verfügung und ist auch nicht in Planung. Trotzdem - der Einstieg und auch der Austritt erfolgt über HF, die Vernetzung über IP-Netzwerke. Es bleibt also schon eine Funkanwendung im Sinne des Amateurfunks. Vorteil: auch wenn kein QSO-Partner am örtlichen Relais verfügbar ist - findet man auf den angeschlossenen Repeatern vielleicht trotzdem einen Partner, der irgendwo in Deutschland oder weltweit auf einem anderen Repeater QRV ist. Eigentlich ähnlich dessen, was im Amateurfunk bereits mit Echolink längere Zeit existiert, nur im Prinzip mit mehr und komfortableren Möglichkeiten.

3. Leider erreiche ich keinen DMR-Repeater wie DB0PIB...
An dieser Stelle wird es interessant, denn man kann am DMR-Netz trotzdem teilnehmen, auch wenn man keinen Zugang zu einem "normalen" Repeater wie DB0PIB hat - denn es gibt den Repeater "für zu Hause", auch DV-Hotspot genannt. Das ist im Grunde eine Aufsteckplantine für einen Raspberry Pi samt MMDVM und einem TRX. Das Ganze gibt es als Simplex- und auch als Duplex-Version. Vorteil der Duplex-Version - man kann beide Zeitschlitze 1 und 2 gleichzeitig übertragen, die Simplex-Version kann nur einen der beiden Zeitschlitze bereitstellen. Bestückt sind diese Hotspots mit einem TRX, der ca. 10mW auf 2m oder 70cm, je nach Version, aussendet. Ich arbeite also über diesen Hotspot mit meinem DMR-Funkgerät wie über einen normalen Repeater und kann auch alles machen was der "große" Repeater wie DB0PIB kann. Es gibt sogar eine spezielles Betriebssystem für den Raspberry PI (basierend auf Linux/Debian) namens Pi-Star ( https://www.pistar.uk ), was genau auf diesen Hotspot-Betrieb und dem MMDVM für den PI abgestimmt ist und per Webbrowser bedient werden kann. So kann man also von der Couch und seinem DMR-Handfunkgerät auch von zu Hause mitmachen.



Im Bild seht ihr beide Versionen - auf dem Raspberry Pi in Betrieb die Duplex-Version, daneben die Simplex-Version des sog. MMDVM-Hotspots. Ans Internet (Ethernet oder WLAN) muss der Pi natürlich angeschlossen sein - auch per UMTS/LTE mittels WLAN-Hotspot des Smartphones kann man so etwas nutzen.


So sieht das Ganze dann im Browser aus - mit der genannten Pi-Star-Software. Man sieht - digital ist schon etwas Bewegung im DMR-Netz. Vergleichbar und quasi identisch arbeitet auch DB0PIB - es wäre also egal ob ich zu Hause mittels Hotspot oder über DB0PIB arbeiten würde. Bitte den aktuellen Bandplan bei Einsatz eines Hotspots berücksichtigen. Ich nutze hier z.B. eine Ablage von 9,4 MHz, 7,6 MHz geht aber auch. Da die RX- und TX-Antenne aber dicht beieinander ist und ich dafür sicher keinen Duplexer einsetzen will, habe ich mich für 9,4 MHz Ablage entschieden. Natürlich ginge das auch mit C4FM oder gleich im Multi-Mode-Betrieb.
- wird fortgesetzt -
 

Heiko (DL1BZ), September 2018